Martin Brandlmayr

MARTIN BRANDLMAYR

Martin Brandlmayr

Solo – 05.04.2020, 20:00 Uhr, Kulturnhalle

Martin Brandlmayr, geboren 1971 in Bad Ischl/Österreich, studierte Schlaginstrumente an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Er lebt als Schlagzeuger und Komponist in Steinbach am Attersee und ist u. a. Mitglied der Gruppen Radian, Polwechsel und Trapist. Mit Radian hat er seit Mitte der 1990er-Jahre sieben Alben veröffentlicht und tourte weltweit. Darüber hinaus arbeitete er mit Musikern wie Otomo Yoshihide, Fennesz, Mapstation, Pure, John Tilbury, Tony Buck und Paul Lovens. Martin Brandlmayr ist im Grenzbereich zwischen elektronischen und akustischen Klangwelten, intensive Auseinandersetzung mit dem Schlagzeug als Groove Instrument einerseits und als erweiterter Klangkörper andererseits, aktiv.

Zum Abschluss des Festivalsonntagsprogramm wird er eine Live-Soloversion vom seinem 2018 für den SWR geschriebene Hörstück „Vive les fantômes“ aufführen, welches im selben Jahr in Donaueschingen mit dem international renommierten Karl Sczuka Preis für Hörweke ausgezeichnet und 2019 auf Thrill Jockey veröffentlicht wurde.

„Vive les fantômes » (2018, Martin Brandlmayr), Hörspiel

„Erinnerung und Wiederholung – für Martin Brandlmayr wichtige Elemente in der kompositorischen Arbeit. Auch in seinem Hörspieldebüt tauchen sie auf und geben Struktur und Form. Verwandtschaften entdeckt Bandlmayr beim Philosophen Jacques Derrida, der immer wieder zu Wort kommt. Er spricht von „Gespenstern“ – Brandlmayr erinnert sich an jene, die ihn in seinem Schaffen geprägt haben: Miles Davis, Billie Holiday und Thelonious Monk – aber auch Filme wie „Sans Soleil“ von Chris Marker und Hitchcocks „Vertigo“.

In einer Gesellschaft, die tendenziell versucht, alles Uneindeutige und nicht Einzuordnende auszublenden oder an den Rand zu drängen, kann „Vive les fantômes“ als Aufruf verstanden werden, die „Gespenster“ – die „von uns verdrängten mehrdeutigen Schwellenwesen“ – im Leben willkommen zu heißen und sich lustvoll mit ihnen zu beschäftigen.

Eine Vielzahl von akustischen Momentaufnahmen (Field-Recordings, Sprachfetzen, Musik etc.) bilden ein Netzwerk, eine in sich verwobene Struktur, in der immer wieder Motive auftauchen, sich aufeinander beziehen und Verbindungen herstellen. Eine Vielheit von Musik und Klang, ein Spiegelkabinett, eine Echokammer, die sich mit steigender Entfernung zu einem Rauschen verdichtet. Als Gespenster einer vergangenen Zeit tauchen die Tonaufnahmen in immer neuer Gestalt auf, manchmal ähnlich den Elementen einer Fuge, werden permutiert und verändert, in neuer Umgebung gesehen, aus neuer Perspektive betrachtet. Die Rhythmik und der Klang des Schlagzeugs mit seinen erweiterten Klangmöglichkeiten bilden einen Rahmen, sie verbinden, verknüpfen und stellen einen musikalischen Kontext her.“ (WDR)